Sturz der Titanen von Ken Follett

[aartikel]3404166604:right[/aartikel]Europa kurz vor dem ersten Weltkrieg, das Schicksal führt auf unterschiedliche Weise mehrere junge Menschen zusammen oder verknüpft deren Geschicke sowie die ihrer Familien miteinander. Die politischen Spannungen vor den schicksalhaften Ereignissen des Ersten Weltkrieges machen auch nicht vor jenen halt und so sind alle irgendwie immer wieder miteinander verflochten. Die walisische Bergarbeiterfamilie mit dem englischen Aristokratenhaus, jenes mit der russischen Oberschicht und deren Probleme mit der Bevölkerung, die deutsche Familie, die im Außenministerium in Großbritannien tätig ist und ein Amerikaner, der immer wieder auf den ein oder anderen trifft. Sie alle geraten in den politischen Strudel der zu dem ersten großen, weltumspannenden Krieg führt und müssen sich der Erkenntnis hingeben, das nichts mehr ist, wie es war und auch nie mehr werden wird. Der Krieg reißt alles auseinander und doch hält er Dinge zusammen, die einfach zusammen gehören.

Kritik zu Sturz der Titanen von Ken Follett

Mit „Sturz der Titanen“ ist dem Autor Ken Follet, drei Jahre nach seinem letzten großen Werk, ein weiterer Bestseller gelungen. Wie gewohnt nutzt er einen historischen Hintergrund, der diesmal brisant wie nie ist. Der Erste Weltkrieg war die erste große dunkle Stunde des 19. Jahrhunderts, welcher einen Umsturz in allen Ländern Europas und vielen darüber hinaus mit sich brachte. Der Autor beweist sein Geschick in der Verknüpfung verschiedener Handlungsstränge und Charaktere, die irgendwie alle miteinander zu tun haben, selbst wenn sie sich nie wirklich begegnen. Dabei wirkt die Geschichte nie abstrus oder an den Haaren herbei gezogen, sondern stets durchdacht und durchaus auch spannend – von kleineren Schwächen abgesehen, die aber in beinahe jedem Buch dieser Größe zum Tragen kommen und kaum störend auffallen. Wie in den meisten seiner Werke sind die Hauptthemen des Buches Politik, Intrigen, Liebe, Verrat, Freundschaft und die großen Themen der Zeit, in der die Geschichte spielt. Hier eine, die die Welt in Wandel setzte. Im Übrigen kommt Deutschland in diesem Buch recht gut weg, was für eine britische Darstellung erstaunlich ist, doch dies ist – so auch die Worte des Autors in Interviews selber – definitiv der walisischen Herkunft des Autors geschuldet, wo man die Interpretationen der Engländer etwas vorsichtiger betrachtet als in England selber.

Die Handlungsstränge sind, gerade durch ihre Verknüpfungen nicht selten komplex aber der Schreibstil von Follett ist entspannt und gut, teilweise sogar mitreißend, so dass man das Buch trotz seiner Komplexität und Länge nicht wirklich aus der Hand legen möchte. Im Vergleich zu seinem Meisterwerk „Säulen der Erde“ hat sich der Autor – was das Thema Spannung betrifft – in den letzten Jahrzehnten immens gesteigert. Dabei bringt Follett einem die Geschehnisse rund um den Ersten Weltkrieg eindrücklich und leicht verständlich nahe und man bekommt das Gefühl Zusammenhänge erläutert zu erhalten, die während der Schulzeit entweder nicht behandelt oder so langweilig aufgearbeitet wurden, das man sie – kaum gehört – sogleich vergaß. Die Protagonisten sind manchmal ein wenig stereotyp geraten, haben aber dennoch genügend Ecken und Kanten um sie sympathisch und unsympathisch zugleich zu finden – Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier immer mal wieder die Regel.

Dennoch wünschte man sich auch in diesem Buch durchaus noch mehr Tiefgang, mehr Facetten und mehr Seiten der Medaille, nicht immer schwarz und weiß mit viel zu wenig Grautönen. Alles in Allem jedoch ist das Buch, trotz einiger kleiner Schwächen sehr lesenswert und zählt nicht umsonst zu einem der besten Werke des Autors. Bleibt zu hoffen, das die Nachfolgebände – der zweite Band ist wohl definitiv geplant und soll „Winter der Welt“ heißen und den Aufstieg des Nationalsozialismus wie auch das Wachsen des Kommunismus behandeln – weiter stark auftreten und die kleinen Schwächen noch ausgemerzt werden. Diese Rezension zu dem Roman „Sturz der Titanen“ von Ken Follett wurde verfasst von Micky.

Weitere Infos zu Ken Follett:

Die Kingsbridge-Romane von Ken Follett