Jack Taylor-Serie von Ken Bruen

In kaum einem Land kommen auf einen Einwohner so viele Gewinner des Nobelpreises für Literatur wie in Irland. Von George Bernhard Shaw über Samuel Beckett bis hin zu Seamus Heaney muss es also etwas geben, das irische Autoren besonders inspiriert. Ist es der Alkohol, der typisch irische schwarze Humor oder die Gelassenheit, das Leben so zu nehmen wie es eben kommt? Was es auch sein mag, bei Ken Bruen funktioniert es ebenfalls bestens. Der Autor hat national und international zahlreiche wichtige Auszeichnungen abgeräumt und seit seinem Debüt 1993 eine stattliche Zahl an Werken veröffentlicht.

Die irische Antwort auf Bonnie und Clyde

Darunter auch gemeinsam mit Jason Starr die Erfolgsserie um das Gangsterpärchen Max Fisher und Angela Petrakos. Darin tauchen zwei ehemals erfolgreiche Geschäftsleute nach ihrer Trennung in die skrupellose Welt von Verbrechen und Betrug ein und nehmen den Leser auf eine temporeiche Reise mit, voll von dunklem Humor, Bruen-typischer Gesellschaftskritik und gespickt mit absurden Einfällen. Wie auch die Serie um Jack Taylor spielen die meisten Teile der Max Fisher und Angela Petrakos-Serie in Irland, genauer in Galway, Ken Bruens Geburts- und Wohnort. Und in beiden Serien dreht sich das Leben zum großen Teil um Alkohol und Drogen.

Charakterstudien und Sprachwitz

Jack Taylor-Serie von Ken BruenJack Taylor, der Protagonist von Bruens bisher längster Serie, ist ein ehemaliger Polizist, der sich als Privatdetektiv neu erfinden muss und den Sinn des Lebens mangels Alternativen immer wieder im Trinken sucht. Die Parallele zum Autor: Jack Taylor liebt Bücher und immer wieder streut Bruen literarische Zitate ein. Die Fälle und der Spannungsaufbau stehen bei Ken Bruens Büchern nicht im Vordergrund, „whodunnit“ fragt sich der Leser hier eher nicht. Vielmehr spielt Bruen gekonnt mit den Krimitraditionen des Irish Noir und erforscht die Seele seines Landes, das in den letzten Jahrzehnten wirtschaftlich und gesellschaftlich so starke Wandlungen erlebt hat wie kaum ein anderes. Das tut er in intensiven Charakterzeichnungen, in intelligenten Dialogen und mit einem Sprachwitz, der den Leser teils schmunzeln, teils laut loslachen lässt. Deutsche Leser müssen dank der genialen Übersetzung von Harry Rowohlt keinerlei Abstriche gegenüber der Originalfassung machen.

Spiel mit Stereotypen

Ob die Iren selbst wohl amused sind, wenn Bruen das Stereotyp der Trinkfestigkeit literarisch so auswalzt? Wahrscheinlich nehmen sie es mit Humor. Etwas anderes bleibt ihnen sowieso nicht übrig. Hätte Bruen nicht so viele Jahre als Englischlehrer im Ausland gelebt und fast alle Kontinente bereist, man könnte denken, er sei nie aus Galway herausgekommen. So verwurzelt scheinen der Autor und seine Figuren in ihrer nationalen Identität. Aber gerade das geschieht ja oft, wenn man das eigene Land aus der Ferne betrachtet. Machen Sie sich also bereit für einen literarischen Ausflug nach Irland und zu der Mentalität seiner Bewohner, öffnen Sie schon mal ein Guinness und genießen Sie die etwas anderen Krimis aus der spitzen Feder von Ken Bruen.

Hier findet ihr eine komplette Übersicht der Serien von Ken Bruen und hier die Vorstellung der Jack Taylor-TV-Serie auf DVD.