Fantasyromane

Aus der Mythologie und der Sagenwelt heraus hat sich das Genre der Fantasy entwickelt, welches sich in der Literatur – aber auch in anderen Medien – in den letzten Jahrzehnten einer steigenden Beliebtheit erfreut. Auf die eigentlichen Wurzeln der Mythen zurückgreifend bedient sich das Genre dabei den darin befindlichen Sagengestalten wie zum Beispiel Riesen und Zwerge, entwickelt aber zunehmend auch eigenständige – frei erfundene – Wesen und Gestalten, die in der Volksmärchen- und Sagenwelt bis dato nicht existierten.

Federführend für diese Gestalten ist hier der Autor J.R.R. Tolkien zu nennen, der mit dem Epos „Herr der Ringe“ nicht nur eine neue Welt schuf, sondern auch eine Vielzahl an neuen Wesen und Wesensarten, weshalb er gerne als Urvater der Fantasy in der Literatur gesehen wird. Die Welten der Fantasyromane sind vielfach fiktiv, greifen jedoch immer wieder auch auf reale Örtlichkeiten zurück. Die Gesellschaftsstrukturen hingegen lehnen sich an reale, historisch existente an. Besonders beliebt sind hier das Mittelalter – mit dem Feudalsystem – die Renaissance und die Eisenzeit. Im Rahmen der Religion – so diese zur Sprache kommt – wird vielfach auf den Polytheismus zurück gegriffen und eher seltener auf den Monotheismus. Magie spielt in vielen der Welten eine entscheidende Rolle und prägt dann die Kultur nachhaltig, die sich wesenstechnisch zumeist an historische irdische Völker anlehnt.

Das Genre gliedert sich in eine Vielzahl an Subgenren auf. Die High Fantasy ist dabei der Klassiker, der in einer fiktiven – meist mittelalterlichen – Welt spielt und sich stilistisch an den Werken Tolkiens anlehnt. Bei der Low Fantasy handelt es sich zumeist um heroische Abenteuer, die sich um einen einsamen Helden drehen, der oft auch mit magischen Herausforderungen zu kämpfen hat.

Im Contemporary wiederum herrscht ein klarer Bezug zur Realität, der jedoch durch die fiktiv fantastischen Elemente – wie zum Beispiel Magie – unterbrochen wird und Reales mit Fantastischem verschmelzen lässt. Das Kunstmärchen entspricht den Stilen der Volksmärchen mit fantastischen Elementen und ist vielfach modernisiert – ein gutes Beispiel dafür ist „Die unendliche Geschichte“.

Eine eher seltenere Form ist die Animal Fantasy, die ausschließlich – oder zumindest zum größten Teil – in der Tierwelt spielt. Spätestens mit dem Steampunk kam das Subgenre der Science Fantasy auf, welches eine Mischung aus Science Fiction und Fantasy darstellt. In der Dark Fantasy spielen Horror und nicht selten Erotik eine große Rolle. Hier spielt auch oftmals der Mysteryaspekt hinein.

Ein Subgenre, das alle Altersgruppen ansprechen soll, ist das All Age Fantasy. Zu dessen Vertretern zählen zum Beispiel die Romane von J.K. Rowling. Wahrscheinlich vor allem durch Werke von Terry Pratchett berühmt geworden ist zudem die Humoristische Fantasy, die der Fantasy mit Parodie und Ironie begegnet und dabei oftmals einen Brückenschlag zu realen Begebenheiten, Kulturen und Personen vollzieht.

Sozial- und gesellschaftskritischer Umgang mit Fantasywelten, die sich auch vielfach mit politischen und gesellschaftlichen Utopien auseinandersetzt, findet man in der Social-Fantasy. So genannte Pseudodokumentationen wiederum sind fiktive Sachbücher, die die fantastischen Welten – zum Beispiel Tierreiche – beschreiben. Ein letztes Subgenre ist die Pseudohistorische Fantasy, die sich historischer Epochen annimmt und diese komplett neu auslegt und mit fantastischen Elementen unterlegt.